Glückspilze und Pechvögel

Wer von euch hat nicht schon einmal gehört oder selbst gesagt:

„Du bist so ein Glückspilz!“, „Du hast echt ein Glück mit deinen Kunden/deinem Partner/deiner Arbeit!“, oder auch „Dauernd passieren mir komische Sachen“, „Alle meine Flüge verspäten sich, ich bin noch nie pünktlich weg geflogen“.

Kommt dir das bekannt vor? Sagst oder denkst du das auch oft?

Wenn ich solche Sätze höre, folgende Worte fallen mir besonders auf: immer, nie, dauernd, alle – lauter Verallgemeinerungen.
Woran liegt diese ungleichmäßige Verteilung der Fortune? Kommen die einen aus einem „Glücksland“ und die anderen aus einer „Pechstadt“?  Wurden die einen unter einem guten Stern, und die anderen unter einer ungünstigen Konstellation der Planeten geboren?

Seit Anfang des Jahres mache ich ein Online Studium der positiven Psychologie beim Dr. Marty Seligman an der Pennsylvania Universität und lerne täglich über neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Optimismus, Resilienz und allem, was uns Menschen stärker macht. Positive Psychologie hat übrigens nichts mit dem simplen „denk positiv“-Appell oder den Parkplatz-Bestellungen beim Universum zu tun. Es ist ein relativ junger Bereich der klassischen Psychologie, der sich mit den Fragen beschäftigt:

Was lässt die Menschen aufblühen? Was ermöglicht uns, ein erfülltes, vielseitiges und glückliches Leben zu führen?

Dr. Seligman untersucht seit zwei Jahrzehnten die Fragen des glücklichen Lebens, der positiven Lebenseinstellung und des Optimismus und ist auf die gewissen Muster und Tendenzen in unseren Gedanken aufmerksam geworden. Er hat beobachtet, wie wir gute und schlechte Ereignisse in unserem Leben erklären, sowie die Gründe dieser Ereignisse – mit anderen Worten, unser Erklärungsstil. Wenn uns etwas passiert – ob gute oder schlechte Sachen – fängt unser Gehirn automatisch an, die Antworten auf die Frage Warum? zu suchen. Was hat das verursacht?

Und während unser Hirn nach den Ursachen des Geschehens forscht, macht es dies  in drei Dimensionen.

  1. Erstens, habe ich das verursacht oder die anderen? Liegen die Gründe bei mir intern oder extern?
  2. Zweite Dimension ist die Zeit: passiert das temporär oder permanent? War das ein Einzelfall oder „schon immer“ so?
  3. Und die dritte Dimension, in der unser Gehirn die Gründe für verschiedene Ereignisse sucht, ist die Allumfassung:  ist es etwas Spezifisches oder Globales?

Optimistischer Erklärungsstil

Wenn ich immer wieder höre: „Oh, du hast schon wieder einen neuen Kunden gewonnen, du hast echt Glück, tolle Menschen zu treffen“, lächle ich und bedanke mich für diese Anerkennung. Ich bin ein zutiefst dankbarer Mensch und weiß mein Glück zu schätzen, gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass:

  • ich alle so behandle, wie ich behandelt werden möchte. Ich sehe die Welt um mich herum als einen freundlichen Ort, daher ist es logisch, dass ich so viele wunderbare Menschen im Leben treffe;
  • ich mich für jede Kundin und jeden Kunden gleichermaßen bemühe und mein Bestes gebe, daher wird mein Engagement gesehen und geschätzt;
  • ich keine Unterschiede bei meinem Umgang mit Kundinnen, Freundinnen oder Fremden mache – ich schätze einfach alle, und das spüren die Menschen.

So oder so ähnlich denkt ein optimistischer Mensch über eine positive Situation: es ist etwas, was diese Person überwiegend selbst erarbeitet, mit einem steten Einsatz in viele Richtungen. Und ja, ein wenig Glück gehört natürlich auch dazu, aber es hat eben nicht unbedingt was mit „Glückspilz“ zu tun.

Und was passiert, wenn optimistische Menschen negative Erfahrungen machen?

Auch diese kommentieren sie mit einem optimistischen Erklärungsstil, aber anders herum. Zum Beispiel so: wenn ich aus irgendeinem Grund einen Kundenauftrag nicht bekomme, denke ich

  • Vielleicht hat die Kundin oder das Unternehmen gerade keine Notwendigkeit für meine Beratung. Ich hoffe, dass sie wiederkommen, wenn die Zeit reif ist.
  • Diesmal hat es nicht geklappt, morgen mache ich einen weiteren Versuch.
  • Diese Kundin hat mich nicht beauftragt, aber das lässt mich nicht an meinen Fähigkeiten zweifeln.

Was ich mit „anders herum“ meinte ist, dass in negativen Situationen die Optimistinnen die Ursachen überwiegend nicht (nur) bei sich sehen und diese als eine temporäre und spezifische Sache betrachten. Eine Niederlage macht sie nicht automatisch zu einem „Pechvogel“.

Versuche das zu Hause zu üben: wenn dir etwas Gutes passiert, beobachte dich selbst, wie du auf gute Ereignisse reagierst. Kannst du dich selbst anerkennen und wertschätzen oder siehst du alles bloß als einen Zufall? Du wirst sehen, wenn du immer wieder deine kleinen Erfolge siehst, werden auch die großen folgen, denn dein Selbstvertrauen, deine Zuversicht und dein Optimismus werden täglich wachsen.

Nächstes Mal erzähle ich über den pessimistischen Erklärungsstil und negative Gedankenschleifen.

Bis dahin: lass die Sonne in dein Leben rein!

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